blank
***Facebook-Gewinnspiel 2018- 3×1 Ster Buchenholz***
13. Mai 2018
blank
Brennholzpreise 2019/2020
25. August 2019
blank

Ein junger Mann macht sich als Brennholzproduzent selbständig. Dabei fängt er gar nicht klein an, sondern investiert richtig viel Geld in die Technik. Ist das Größenwahn, oder wohlüberlegtes Kalkül? Wir haben Lukas Huber im oberbayerischen Huglfing besucht.

Wenn jemand Betriebswirtschaftslehre studiert hat, darf man davon ausgehen, dass er danach weiß, wie sich Geld verdienen lässt. Glaubt man den vielen Unkenrufen aus unserer Branche, gehören Forstunternehmen da nicht mehr dazu und der Brennholzhandel auch nicht. Scheinbar macht der allgemeine Kostendruck und die zunehmende Konkurrenz, auch aus dem Ausland, ein auskömmliches Geschäft unmöglich.

Lukas Huber ist Baujahr 1986 und stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Oberbayern, zu dem auch 5 ha Wald gehören. Als Werksstudent für eine Telekommunikationsfirma hat er an der Fachhochschule in Würzburg BWL studiert. Irgendwann merkte er, dass der reine Bürojob ihn nicht ausfüllte. Ohne Produkte „zum Anfassen“ fehlte ihm in seinem Berufsleben etwas. Ungefähr zur gleichen Zeit kamen zuhause mehrere Nachbarn auf ihn zu und fragten an, ob er ihnen vielleicht Brennholz aus dem Wald verkaufen könnte. Er konnte – denn dort gab es, wie häufig in Privatwäldern, allerhand Durchforstungsrückstände aufzuarbeiten. Also wurde der alte IHC-Schlepper angeschirrt und ein kleiner Rückewagen angeschafft. Dazu kam bald ein Sägespalter RCA 400 von Tajfun. Damit konnte er sich neben dem Studium schon ein bisschen körperlich ertüchtigen.

Die Nachfrage stieg und so kam schnell der Punkt, an dem er sich die Frage stellte, ob er vielleicht mehr daraus machen sollte, als nur einen kleinen Nebenerwerb? Die Beantwortung dieser Frage ging er sehr professionell an, indem er ihr nämlich gleich die ganze Abschlussarbeit seines Studiums widmete. Darin analysiert er ganz akribisch die Wettbewerbsfähigkeit eines kleinen Brennholzhandels in Bayern. Die Risikofaktoren waren schnell ausgemacht:

  • Verkaufsschwäche im Sommer
  • Starke Konkurrenz/Preiskampf
  • Niedrige Markteintrittsbarrieren
  • Schwarzarbeit/Schwarzverkauf
  • Temporäres Überangebot nach Stürmen
  • Regionaler Mangel an Laubholz
  • Billigimporte aus dem Ausland

Gerade der letzte Punkt könnte dem Unternehmer unter rein wirtschaftlichen Erwägungen eigentlich egal sein: Wenn das fertige Produkt günstiger zu beziehen ist, als man es selbst herstellen kann, kauft man es im Normalfall eben zu. Das entspricht aber grundsätzlich nicht Hubers Motivation „Brennholz aus der Region – für die Region“, zumal der ökologische Fußabdruck einer Fuhre Scheitholz, die schon über 1000 km durch Europa geschippert ist, auch fragwürdig wird. Also suchte er gezielt nach Möglichkeiten, sich auch diesem Wettbewerb zu stellen.

Dabei half ihm eine sehr genaue Marktbeobachtung, sowohl auf der Beschaffungs- als auch auf der Absatz-Seite. Bei den Scheitholz-Abnehmern im Raum südlich von München lässt sich ein relativ hohes Qualitätsbewusstsein feststellen. Das betrifft zum einen die Aufarbeitung (gleichmäßige Scheitquerschnitte, korrekte Längen, geringer Spreißelanteil), zum anderen den korrekten Trocknungsgrad, aber auch den regionalen Bezug. Wenn die genannten Punkte gut erfüllt werden, sind diese Kunden auch bereit, ein paar Euro mehr auszugeben.

Auf der Beschaffungsseite konnte Huber zweierlei Markchancen ausfindig machen: Bei den großen Lieferanten, wie Waldbesitzervereinigungen oder dem Staatsforst herrscht eine extreme Nachfrage nach dem klassischen „Automatenholz“, also Laubindustriehölzern im Durchmesser zwischen 20 und 30 cm. Stärkere Querschnitte sind vielfach deutlich günstiger zu haben. Privatwaldbesitzer haben häufig gar keine Ausrüstung oder Qualifikation mehr, das Holz selbst einzuschlagen. Hier eröffnen sich Möglichkeiten der Selbstwerbung bzw. des Stockkaufs und das Anbieten weiterer Forstdienstleistungen.

Vor allem die genannten Faktoren waren es, die Lukas Huber bei seiner Maschinenauswahl für den Vollerwerbsbetrieb beeinflusst haben. Dabei kann man durchaus von mutigen Entscheidungen sprechen, denn er hat wirklich Geld in die Hand genommen, um sich technisch optimal aufzustellen.

Herzstück der Produktion ist der große Sägespaltautomat K 650 von Posch. Dieser arbeitet nach dem Prinzip des kontinuierlichen Spaltens: Die abgetrennten Rundlinge werden in einem abschüssigen Schacht mit einer vorgegebenen Vorschubgeschwindigkeit an einem großen Kreuzmesser vorbeigeführt. So werden die bis zu 65 cm starken Hölzer nicht auf einmal mit großem Kraftaufwand durch ein vielteiliges Spaltkreuz gepresst, sondern sukzessive zerkleinert. Diese Technik bietet gleich mehrere Vorteile:

  • Es entstehen sehr homogene Scheitquerschnitte.
  • Übergrößen kommen nicht vor
  • Der Spreißelanteil durch „Quetschen“ des Holzes ist sehr gering
  • Es lassen sich (über-)starke Rundhölzer sehr effizient verarbeiten.
  • Der Energieaufwand zur Erzeugung bleibt dabei sehr niedrig.

Eine Besonderheit bei Hubers Maschine ist zusätzlich, dass diese mobil ausgeführt ist. Üblicherweise werden Brennholzautomaten dieser Größenordnung eher stationär betrieben. Mit dieser Variante möchte er aber eine Möglichkeit zur Diversifizierung seines Betriebes ausnutzen: Für das Verarbeiten von Starkhölzern gibt es auch eine gewisse Nachfrage zum Lohnspalten.

Als Zugpferd und Antriebsaggregat für den „Grünen“ hat Huber sich einen Steyr 6240 CVT geholt, der mit seinen 240 PS weder mit dem Gewicht noch mit der benötigten Zapfwellenleistung ein Problem hat. Die Firma Kneidinger in Altenfelden (AT) hat ihm den Schlepper mit einer Forstausrüstung versehen, allerdings so, dass er den Traktor trotzdem weiterhin auch in der Landwirtschaft einsetzen kann. Der Palfinger-Epsilon-Kran M 70 F mit Doppelteleskop und einer Reichweite von 8,6 m sitzt auf einer Schnellwechselkonsole. In der massiven Frontkiste findet sich nicht nur Platz für diverses Werkzeug, sondern auch eine zusätzliche Hydraulikpumpe, die über die Frontzapfwelle betrieben werden kann. Diese liefert im Bedarfsfall den Volumenstrom für einen Kesla-SH 20 Schubharvester, mit dem der Jungunternehmer Durchforstungen im Privatwald durchführen kann. Bei der Brennholzproduktion beschickt der Epsilon den integrierten Querförderer des Posch K 650. Bei dessen mächtigem Durchsatz –während unseres Besuchs war eine Gitterbox mit 2,25 Rm spätestens nach 10 Min. voll– muss allerdings auch der Nachschub stimmen, sonst hat Huber sehr schnell sämtliches Holz in der Kranreichweite verhackstückt und muss das gesamte Gespann verziehen. Das geht zwar ziemlich schnell (siehe Videolink), aber eine Arbeitsunterbrechung ist es trotzdem.

Angepasste Technik

Den hohen Effizienzvorteil kann die Posch-Maschine nur ausspielen, wenn sie mit entsprechend starkem Holz gefüttert wird. Deswegen laufen bei Lukas Huber auch nur Stämme ab 30 cm Durchmesser hier durch. Für das „Kleinzeug“ hat er zwischenzeitlich einen Sägespalter Titan 40/20 von Uniforest angeschafft. Der ist mit seinen 1,8 t Lebendgewicht zu schwer für den Kraftheber des alten IHC. Deswegen besitzt er auch ein eigenes Fahrgestell. Aber für den Antrieb braucht es nur eine Zapfwellenleistung von 45 PS, das reicht dicke. An dieser Maschine schätzt Lukas Huber vor allem zwei Dinge: Zum einen besitzt sie keinerlei Elektronik, die „spinnen“ könnte. Alle Funktionen werden hydraulisch angesteuert. Und zum anderen hat sie ein Kreissägeblatt. Das hat eine enorm lange Standzeit gegenüber einer Kettensäge und es produziert nur geringe Mengen feines Sägemehl. Dieses lässt sich in der kleinen Brikettpresse, die ebenfalls auf dem Hof steht, sehr gut verarbeiten. Presst man die groben Späne aus der Posch-Maschine, fallen diese leider sehr schnell wieder auseinander.

Mehrwert bieten

Für die optimale Ausformung der Scheite ist also gesorgt. Um anspruchsvolle Kunden mit Qualität zu versorgen, muss das Brennholz eine definierte Holzfeuchte besitzen. Wer nicht soviel Lagerkapazität hat, dass er einen ganzen Jahresvorrat auf dem Hof stellen kann, arbeitet da heute mit künstlicher Trocknung. Für Lukas Huber bedeutet das im Moment einen Lkw-Transport im speziellen Hakenlift-Container zur nahegelegenen Biogasanlage. Den Transport übernimmt sein Vater, dennoch muss er pro Ster mit Trocknungskosten von rund 5 € kalkulieren. Da besteht noch Optmierungsbedarf. Beim derzeitigen Holzumsatz lebt er „von der Hand in den Mund“, d.h. es gibt bei ihm eigentlich keinen brennfertigen Vorrat, den er einem Kunden bei kurzfristigem Bedarf verkaufen könnte. Wer bei „Brennholz Huglfing“ bestellt, muss üblicherweise gut zwei Wochen auf sein Brennholz warten. Da kann der eine oder andere ungeduldige Interessent schon wieder abspringen. Aber auch eine Vortrocknung unter Dach würde die Kosten senken. Am liebsten wäre ihm jedoch, wenn er den zusätzlichen Transport wegrationalisieren und direkt am Hof trocknen könnte. Der kommende Sommer wird hier sicher noch die eine oder andere Veränderung bringen. Zumindest bietet die Absatzflaute die Chance, sich so einen kleinen Materialpuffer zu erarbeiten.

In der Auslieferungslogistik gilt es auch noch zu rationalisieren: Viele der städtischen Kunden haben nur eine ganz kleine Lagerkapazität und bestellen dem entsprechend nur geringe Mengen. Da kostet die Anfahrt sehr viel Zeit. Schlägt der Händler das 1:1 in Geld auf die Lieferung um, wird der Ster-Preis irgendwann doch zu hoch. Ein kleines Auslieferungslager am Rand von München könnte hier Abhilfe schaffen.

Bilanzieren

Im vergangenen Jahr hat der Brennholzbetrieb gut 2500 Ster umgesetzt. Mit der neuen hocheffizienten Technik wäre natürlich ein Vielfaches davon möglich. Doch der Firmengründer stellt fest: „Im Moment gibt´s hier drei Mitarbeiter– den Grünen, den Gelben und mich.“ In dieser Konstellation plant Lukas Huber für 2018 mit 4000 Ster. Mittelfristig soll auf jeden Fall noch ein weiterer menschlicher Mitarbeiter dazukommen, auch damit sich Huber weiter um Marketing und Werbung kümmern kann – ein Bereich, dem er auch einen hohen Stellenwert einräumt.

In der Theorie hat sich der Betriebswirt sehr genau ausgerechnet, wie er von seinem Geschäft leben kann. In der Praxis ist es für eine große Bilanz noch zu früh. Aber man kann sagen, dass es sehr gut gut aussieht, nicht zuletzt weil er in einer Phase mit extrem niedrigen Zinsen investiert hat. Auch die Abschreibungszeiträume hat er eher großzügig gewählt. Rein wirtschaftlich betrachtet, hätte es für Lukas Huber sicherlich Möglichkeiten gegeben, sein Geld leichter zu verdienen, ohne sich groß die Hände schmutzig zu machen. Aber auch bei ihm ist ein gutes Stück Leidenschaft mit dabei.

Text nach Heinrich Höllerl